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Leber

Die Leber ist das wichtigste Organ für den Stoffwechsel und damit von entscheidender Bedeutung für das Wohlergehen eines Hundes. Lebererkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen bei Hunden und sollten nie leicht genommen werden. Die Leber ist dafür verantwortlich, daß das Blut von Giftstoffen gereinigt wird, sie unterstützt die Verdauung und ist das Kontrollorgan des gesamten Stoffwechsels.

Da die Leber an einer so großen Anzahl von Vorgängen im Körper beteiligt ist, gibt es auch eine sehr große Zahl von Erkrankungen, die mit der Leber zu tun haben. Die Leber kann direkt erkranken oder defekt sein, aber es kann auch zu sekundären Lebererkrankungen kommen, die durch andere Organe beeinflußt werden. Die Symptome von Lebererkrankungen sind meistens unspezifisch. Durchfälle, Erbrechen, Appetit- und Gewichtsverlust können Anzeichen für eine Lebererkrankung aber auch für andere Erkrankungen sein.

Ursachen für Lebererkrankungen können Viren oder Bakterien sein, Parasiten, Verletzungen, Giftstoffe, Medikamente oder auch angeborene Defekte oder Krebs. Stoffwechselerkrankungen wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes oder Morbus Cushing können Leberprobleme zur Folge haben. Zu den Medikamenten, die zu einer Leberfunktionsstörung führen können, gehört Phenobarbital, das bei Hunden häufig bei Epilepsien gegeben wird. Ein Border Terrier mit Krampfanfällen, der Phenobarbital bekommt, sollte auf jeden Fall noch zusätzlich ein Leberschutzmittel einnehmen und spätestens alle sechs Monate auf Leberwerte hin kontrolliert werden.

Zu den angeborenen Funktionsstörungen der Leber, die bei Terrierrassen auftreten, gehören der Lebershunt und die Hepatische Mikrovaskuläre Dysplasie (HMD).

Lebershunt

Ein Lebershunt, auch portosystemischer Shunt genannt, ist ein geänderter Weg von Blutgefäßen, die das Blut durch die Leber leiten sollen. Bei einem Lebershunt wird das Blut durch ein Shunt-Blutgefäß um die Leber herum oder durch die Leber hindurch geleitet anstatt der Entgiftung in der Leber zugeführt zu werden. Die Giftstoffe sammeln sich dann im Körper an und führen zu einer Reihe von Vergiftungserscheinungen. Neben den üblichen unspezifischen Symptomen einer Lebererkrankung wie Gewichtsverlust, Durchfall, Erbrechen, Harnabsatzprobleme usw. können bei einem Lebershunt auch neurologische Symptome auftreten wie Koordinationsprobleme und Krampfanfälle. Ein Border Terrier mit Krampfanfällen muß deshalb unbedingt auf Lebershunt untersucht werden, um diesen Defekt als Ursache ausschließen zu können. Das gilt insbesondere dann, wenn die Symptome gehäuft nach dem Füttern auftreten. Auch wenn es unter der Gabe von Phenobarbital zu einer Verschlimmerung der Symptome kommt statt zu einer Verbesserung, sollte man unbedingt die Leber gründlich auf einen Lebershunt oder HMD hin untersuchen lassen.

Ein Lebershunt kann angeboren oder durch eine andere Erkrankung (z.B. als Folge einer chronischen Leberentzündung) erworben sein. Angeborene Lebershunts, vor allem die sogenannten extrahepatischen Shunts, bei denen das Blutgefäß außerhalb der Leber verläuft, kommen gehäuft bei manchen Rassen vor, darunter auch Terrierrassen wie dem Cairn und dem Yorkshire Terrier. Auch Border Terrier können mit einem Shunt auf die Welt kommen.

Für die Diagnose wird dem Hund Blut abgenommen und auf Leberwerte und Ammoniakgehalt getestet. Bei einem außerdem durchgeführten Gallensäurestimulationstest treten in der Regel erhöhte Werte auf. Ultraschalluntersuchungen und ein Portogram (eine Röntgenuntersuchung der Blutgefäße mit Hilfe eines Kontrastmittels) können einen vorliegenden Verdacht erhärten.

Ein vom Lebershunt betroffener Hund muß lebenslang mit einer speziellen Diät ernährt werden, die protein- und fettarm ist. Eiweiße (Proteine) enthalten Stickstoff, weshalb beim Abbau der Eiweiße in ihre Bestandteile, die Aminosäuren, giftige Stickstoffprodukte entstehen. Diese können im Körper eines Hundes, der einen Lebershunt hat, nicht wie sonst in der Leber abgebaut und über die Nieren ausgeschieden werden, sondern wandern durch den Körper. Stickstoffprodukte wie Ammoniak sind aber schädlich für Nervenzellen und Gehirn, weshalb es zu neurologischen Problemen kommen kann.

Zusätzlich zur Diät wird meistens noch eine genau bemessene Menge an Lactulose und Antibiotikum als Therapie verordnet.

Oft ist auch eine Operation möglich, die allerdings sehr kostspielig ist. Leider ist ein Lebershunt eine so schwerwiegende Erkrankung, daß viele erkrankte Hunde eingeschläfert werden müssen bzw. nicht alt werden.

Da ein angeborener Lebershunt vererbt sein kann, sollte mit einem erkrankten Hund auf keinen Fall gezüchtet werden. Forschungen, die Gendefekte für angeborene Lebershunts bei verschiedenen Rassen zu finden, laufen zur Zeit an verschiedenen Universitäten.

Hepatische Mikrovaskuläre Dysplasie (HMD)

Die Erkrankung mit dem komplizierten Namen Hepatische Mikrovaskuläre Dysplasie kann zusätzlich zu einem Lebershunt oder unabhängig davon auftreten. Es handelt sich dabei um Anomalien in den Blutgefäßen der Leber. Die Symptome sind ähnlich wie beim Lebershunt, meist aber milder. Zur Diagnose muß eine Leberbiopsie vorgenommen werden. Wenn bei einem Border Terrier mit Verdacht auf Lebershunt kein Shunt gefunden werden kann, muß daran gedacht werden, auch HMD abklären zu lassen. Das gilt insbesondere dann, wenn erhöhte Werte beim Gallensäurestimulationstest erzielt werden.

Da die Auswirkungen der Gefäßanomalien nicht so stark sind wie bei einem großen Lebershunt, wird diese Erkrankung – wenn überhaupt – meistens erst viel später entdeckt als ein Shunt. Die Lebenserwartung liegt für einen Hund, der an HMD erkrankt ist, auch deutlich höher als bei einem Hund mit einem Lebershunt.

Die Behandlung ist ähnlich wie bei einem Lebershunt, es ist eine protein- und fettarme Diät notwendig.

HMD ist erblich, weshalb mit Hunden, die abnorme Werte bei einem Gallensäurestimulationstest aufweisen, nicht gezüchtet werden sollte, und auch nicht mit deren direkten Nachkommen (Empfehlung des American College of Veterinary Surgeons).

Da es auch bei HMD zu Krampfanfällen kommen kann, hat man teilweise vermutet, daß die Krampfanfälle, die CECS oder Spike’s disease genannt werden, mit HMD zusammenhängen könnten. Es wurde jedoch festgestellt, daß zwar einige Border Terrier mit Krampfanfällen diese Erkrankung hatten, aber die Schwere der Krampfanfälle in keinster Weise mit dem Ausmaß der Gefäßanomalien in der Leber zusammenhing. Es scheint also keinen Zusammenhang zwischen diesen beiden Erkrankungen zu geben, aber manche Border Terrier können von beiden Erkrankungen betroffen sein oder Anfälle als Folge einer Hepatischen Mikrovaskulären Dysplasie haben. In diesem Fall ist eine Behandlung mit Antiepileptika nicht angezeigt, da diese wie beim Lebershunt die Anfälle verschlimmern könnte und außerdem die Ursache (Vergiftung durch mangelnden Abbau giftiger Stoffwechselprodukte) nicht beseitigt, sondern verstärkt.

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